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Trends & Stories: Börse

Fatale Fehlprognosen - Wie sich selbst "Börsenfüchse" irren können

Der Markt ist in Stimmung. Analysen von kleiner Flaute bis Crash heizen kräftig die Börsen-Gerüchteküche an und verunsichern ungeübte Anleger mit abenteuerlichen Prognosen.
Lesen Sie mal, worauf Anleger schon reingefallen sind und dabei so manche Mark auf Nimmerwiedersehen in das Portemonnaie eines geübten Traders gewandert ist:

HANS-JÜRGEN KLISCH vom amerikanischen Investmentbroker RAYMOND JAMES empfahl am 30. Juli 1998 in der WIRTSCHAFTSWOCHE (Rubrik "Ich kaufe jetzt...") die Aktie der Firma TURbodyNE mit Kursziel "von mindestens 35 Mark". Damals notierte das "Wert"papier bei etwa 28 DM. Heute wird die Aktie - an den Börsen, an denen sie überhaupt noch notiert wird - bei etwa 3.50 DM (ca. -85% zum Einstiegskurs vom Juli '98) gehandelt. Klisch hatte dieses Papier auch wiederholt in der 3SAT-BÖRSE empfohlen...

Erinnern Sie sich? Seit September 1998 stieg der DOW JONES INDUSTRIALS steil an. Der Irrtum: Für den unabhängigen amerikanischen Charttechniker RICHARD RUSSEL war dieser Zeitpunkt ein todsicheres Zeichen für den Beginn einer langen Baisse. Der DOW legte seitdem etwa 3000 Punkte (etwa 35%) zu...

Die Hamburger Sparkasse empfahl Neujahr 1999 JIL SANDER-Aktien zu 305 Euro. Zwölf Monate später notiert das Papier, dessen Gewinn der Anleger jetzt steuerfrei einstreichen könnte, nur noch bei 225 Euro. Ein Minus von mehr als 25%...

Der Entwickler und Hersteller von pharmazeutischen Produkten HYAL PHARMACEUTICAL (Kanada) wurde im Sommer 1998 häufig in den populären Aktien-Internetboards als "todsichere 100%-Chance" empfohlen. Damals notierte die Aktie bei etwa bei 3 DM. Jetzt haben die kanadischen Chefs einem Barabfindungsangebot in Höhe von CD$ 0.08 (etwa 0.05 Euro) durch die kanadische Firma Cangene zugestimmt. Davon werden die Aktionäre, die seit Mitte '98 "durchgehalten" haben, nicht gerade begeistert sein. Verlust für sie: ca. 95%. Die "100%-Chance" war also nicht so abwegig...

"Börsenguru" EGBERT PRIOR nahm am 5. Mai '99 420 Aktien des deutschen Discount-Brokers CONSORS zu 90 Euro in sein Musterdepot. Wer das Depot des Börsenbriefes nachgebildet hat und mit der gleichen Anzahl an Wertpapieren eingestiegen ist, der zählte drei Monate später 10.920 Euro (21.357 DM) in seinem Depot an Buchverlust. Das sind fast 30% weniger als der Einstiegskurs.

Und jüngstes Beispiel ist der Irrtum des Platow Börsenteams im Juni 1999. Bei 55.75 Euro wurde SCM MICROSYSTEMS in das Platow-Musterdepot aufgenommen. Haben Sie das verpaßt? Freuen Sie sich, denn SCM liegt mit Schlußkurs vom 6. August gerade mal noch bei 43 Euro, hat also über 20 Prozent seit Empfehlung an Wert verloren...

Irren ist menschlich. Aber wie kommt es dazu, daß manchmal selbst geübte Börsenfüchse so daneben liegen? "Selfdestroying prophecy" heißt der Effekt, d.h. wenn eine Krise vorausgesagt wird, kommt es meist nicht dazu, weil beispielsweise exakt vorhergesagte Krisen einen gewaltigen Innovationsdruck hervorrufen und auch die Politik weltweit darauf reagiert.

(6. August 1999)

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