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Einsteigerkurs Technische Analyse mit Marcel Mußler

Teil I: Was ist Technische Analyse und warum funktioniert sie?

Die Technische Analyse wird bei Börsianern immer beliebter und als analytische Alternative ernstgenommen und geschätzt. Hierbei geht es nicht um Unternehmenskennziffern oder den volkswirtschaftlichen Rahmenkranz, den traditionellen Feldern der klassischen Fundamentalanalyse - auch nicht um den streng mathematischen oder quantitativen Analyseansatz.

  • Unter Technischer Analyse versteht man die reine Zeitreihenanalyse, also die Analyse von historischen Kursverläufen bis hin zur Gegenwart - mit dem Ziel, den weiteren Kursverlauf zu prognostizieren. Das wichtigste Werkzeug des Technischen Analysten sind die sogenannten Charts, die grafische Abbildung der historischen Kursverläufe.
Kann es wirklich funktionieren, aus historischen Kurslinien auf die Zukunft zu schließen? Ja, es geht! - Aber wie ist das möglich?

Alle Kauf- und Verkaufentscheidungen an der Börse werden von Menschen aus rationalen oder emotionalen Motiven heraus getroffen, wobei es oft auch eine Mischung von beidem ist. Aber das wichtigste ist: Die Entscheidungen werden von Menschen getroffen (auch die computergesteuerten Handelssysteme wurden von uns geschaffen). Der in einem Chart abgebildete Kursverlauf ist also nichts anderes als ein Abbild menschlicher Verhaltensweisen, ein regelrechtes Psychogramm. Ein Chart dokumentiert die Summe aller Einzelpsychen, die mit ihren jeweiligen Kauf- und Verkaufentscheidungen genau diesen Kursverlauf erzeugt haben. Zum richtigen Verständnis der Technischen Analyse ist es wichtig, sich diese an sich banale Erkenntnis voll bewusst zu machen.

Die Börse ist auch nur ein Mensch

Der Mensch verhält sich in vergleichbaren Situationen meistens ähnlich, wenn auch nicht unbedingt gleich! Wir alle kennen das aus dem täglichen Leben: Je besser wir einen Menschen kennen, desto besser können wir einschätzen, wie er in verschiedenen Lebenslagen reagiert und was er als nächstes tut. Auch das Massenverhalten wird um so kalkulierbar, je mehr man es als Psychologe, Soziologe oder Philosoph sieht. Aber auch der Technische Analyst lebt ganz elementar von diesen meist ähnlichen Verhaltensweisen. Um die zukünftige Kursentwicklung zu prognostizieren, muss der Technische Analyst erst einmal die Ausgangsbasis, also die gegenwärtige Verfassung des Marktes ermitteln und wissen, wie der Markt früher in vergleichbaren Situationen reagiert hat. Denn warum soll es an der Börse anders sein als im täglichen Leben? Wie das ganze im einzelnen geht, werde ich in den nächsten Teilen an dieser Stelle Schritt für Schritt erklären.

Unter diesen Vorraussetzungen wundert es nicht mehr, dass wir in den Charts immer wieder ähnliche und wiederkehrende Kursverläufe, ja sogar regelrechte Kurs- und Verhaltensmuster vorfinden. Wie können wir das nutzen? Was ist überhaupt Technische Analyse? Und warum funktioniert sie? Sie funktioniert, weil sich der Mensch in vergleichbaren Situationen immer wieder ähnlich verhält - auch oder gerade an der Börse!

Damit ist aber noch nicht das eigentliche Motiv für den Einsatz der Technischen Analyse geklärt. Sie ist ja kein Selbstzweck, sie soll etwas bringen: Gewinne! Wer Aktien kauft, kann aber nur gewinnen, wenn die Kurse steigen. Die Vorraussetzung dafür ist ein Aufwärtstrend bei der Aktie! Vorraussetzung dafür wiederum ist, dass die Kursverläufe an der Börse überhaupt in Trends verlaufen, dass sie über einen gewissen Zeitraum relativ geordnet und stetig in eine Richtung und eben nicht chaotisch und zufällig verlaufen. Auch das scheint banal - natürlich verlaufen die Börsen in Trends, das weiß jeder. Das war aber nicht immer so. Heute sind die Zeiten zum Glück vorbei, da an den Universitäten noch die Random-Walk-Theorie gelehrt wurde, die besagt, dass jegliche Kursverläufe zufällig, bzw. chaotisch zustande kommen und damit nicht prognostizierbar sind. Heute wird allgemein anerkannt, dass Märkte sehr wohl in definierbaren Trends ablaufen, und dass dieses Phänomen nutzbar gemacht werden kann.


weiter in Teil I

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