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Beitrag in der Internetworld vom 12.8.99, Seite 14
Intraday Broking
Intraday-Broking erfreut sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Der Handel mit einem Papier für nur wenige Stunden erfordert aber mehr als nur Zockerglück.
Vor allem die risikoreicheren Papiere, die am Neuen Markt gehandelt werden, unterliegen extremen, kurzfristigen Schwankungen - allen voran die Internet-Werte. Damit lassen sich in kurzer Zeit beträchtliche Gewinne abschöpfen, vorausgesetzt, man hat ein glückliches Händchen und wertvolle Informationen. Inzwischen hat sich in Deutschland eine Daytrader-Clique zusammengefunden, die über eMails und Chats in Sekundenschnelle die neuesten Börsentrends und Gerüchte austauscht. Als Zentralorgan dieser Spekulanten-Gang fungiert das Online-Magazin "Tradewire" (http://www.tradewire.de). Hier finden sich neben Tips und News auch diverse Techniken, Erfolgsrezepte und ein sehr umfangreicher Einsteigerkurs. IW hat den Daytrader und Betreiber der Web-Site "Tradewire" aus Hamburg, Markus Ulsaß, zum Daytrading in Deutschland befragt.
IW: Daytrading kommt in Deutschland in Mode. Wieso jetzt erst?
Ulsaß: Deutschland befindet sich in einem wahren Aktienboom. Momentan schwappt eine Welle aus den USA zu uns herüber. Dort gibt es das Daytrading schon seit einigen Jahren. Mittlerweile fragen sich immer mehr Leute in Deutschland, ob eine Anlage auf dem Sparbuch oder anderen wenig gewinnbringenden Sparformen wirklich das beste ist, um das eigene Vermögen zu vermehren. Eine der Möglichkeiten, sein Geldmanagement in die eigene Hand zu nehmen, ist das Daytrading. Auch in Deutschland wird das immer populärer. Zudem wird durch das Medium Internet die lnformationsbeschaffung besser und einfacher - oft ist man mittlerweile ausführlicher informiert, als der Anlageberater bei der Hausbank.
IW: Worin unterscheidet sich das Daytrading vom normalen Aktienhandel?
Ulsaß: Beim klassischen Daytrading werden Aktien im Laufe des Tages gekauft und spätestens am gleichen Tag wieder verkauft. Viele Daytrader halten ihre Positionen aber auch einige Tage, so daß bei den meisten Daytradern eine Zeitspanne von wenigen Minuten bis zu einigen Tagen üblich ist. Daytrading erfordert unglaublich viel Disziplin, Fleiß, hohe Motivation und Konzentration. Außerdem braucht man das nötige Fingerspitzengefühl und sollte seine Psyche unter Kontrolle haben. So muß man zum Beispiel verlustbringende Trades rechtzeitig "glattstellen" und sollte bei Gewinnen nicht zu gierig sein, um nicht im Endeffekt ohne Plus aus dem Handel zu gehen.
IW: Wie unterscheiden sich die Daytrading- Angebote von Consors, Comdirect, Fimatex und Direktanlagebank in ihren Leistungen?
Ulsaß: Consors und die Comdirect-Bank bieten alle Möglichkeiten zum Daytrading mit Aktien und Optionsscheinen, wobei sich beide nur durch die Qualität im Service und die Preise unterscheiden. Consors bietet im Gegensatz zur Comdirect-Bank noch einen Zugang über BTX (vorteilhaft, wenn das Internet überlastet ist), außerdem ist die Aufbereitung im Internet ansprechender. Auch die Preise für Transaktionen liegen niedriger. Die Direktanlagebank bietet nur begrenzt Intraday-Handel und Fimatex ist ein Spezialist für Optionsscheine, Eurex, Aktien im Xetra Handel - an den Parkettbörsen kann nur telefonisch gehandelt werden.
IW: Welche Rolle spielen Spekulationen, Gerüchte und die diversen Chats innerhalb der Daytrader-Clique?
Ulsaß: Spekulationen und Gerüchte bestimmen die gesamte Börsenwelt. Natürlich spielen sie in den Aktienboards, Chats und auch an den Börsen eine entscheidende Rolle. Ein amerikanisches Sprichwort sagt: "Buy the rumour, sell the news". Allerdings sollte man sehr vorsichtig mit Tips aus dem Internet umgehen. Oft versuchen hier sogenannte Pusher ihre bereits erworbenen Aktien anzupreisen.
IW: Ist diese Clique eine in sich geschlossene Gruppe, die versucht, möglichst viele Informationen unter Verschluß zu halten?
Ulsaß: Daytrader sind sehr kommunikativ. Jeder kann seine Meinung kundtun, denn nur so wird ein ständiger Fluß von Informationen ermöglicht. Neuigkeiten und Gerüchte werden offen ausgetauscht und oft erhält man wertvolle Informationen, die man noch vor ein paar Jahren ohne Internet und Daytrader-Chats wenn überhaupt, dann erst ein paar Tage später in der Zeitung gelesen hätte.
IW: Kann jedermann Daytrader werden?
Ulsaß: Man muß sehr viel Zeit investieren, und auch über die Hintergründe in der Börsenwelt sollte man Bescheid wissen. Man merkt sehr schnell, ob man das richtige Ego und ein glückliches Händchen hat. Spielern und Zockern kann man von Aktienanlagen nur abraten.
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