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Die Erfolgsrezepte der Börsenprofis

Roland Leuschel (Jhg. 1937)

Chefberater, Banker, Crashprophet

Er hat den Kurssturz im Oktober 1987 prophezeit, das bescherte ihm den Ruf als Börsenguru. Roland Leuschel, der Ex-Chefstratege der belgischen Großbank Banque Bruxelles Lambert, hat sich an die Algarve zurückgezogen, von wo aus er die Börsenwelt analysiert und für das "Wallstreet Journal" oder "Börse Online" schreibt. Seine Vorträge sind nach wie vor mit 2500 Teilnehmern hitverdächtig. Immer wieder betont er darin: "Wir leben in einem permanenten Crash". Damit erntet er Kritik seiner Kollegen und bietet Parolie mit einem seiner Lieblingswitze:
"Was passiert, wenn der Weihnachtsmann, ein guter und ein schlechter Guru gleichzeitig einen 10-DM-Schein finden? - Der schlechte hebt den 10-DM-Schein auf - denn die beiden anderen gibt es nicht...."
Leuschel ist nicht auf den Mund gefallen.

Er sagt, was er denkt, wenn er es belegen kann.
"Kapital ist scheu wie ein Reh". Damit meint er Stoltenbergs Quellensteuer, die 140 Milliarden Mark aus dem Land vertrieb. Den Markt hält er als die wahre Opposition für die Regierung. Greenspan kritisiert er, wo er immer kann - "Dem Notenbankchef ist die Kontrolle entglitten - rüsten Sie sich für den Crash". In die Politik würde er wegen der Intrigen nie gehen.

Lebensstil:
Der Pfälzer hat die Bombardierung Dresdens 1945 erlebt, danach in Karlsruhe und Berlin studiert. Beim Mauerbau ist Leuschel der Humor vergangen. Der Pfälzer liebt Saumagen, aber nur einmal im Jahr. Die Kiste Wein, die er von seinem Bruder zu Weihnachten geschickt bekommt, nimmt er mit gemischten Gefühlen entgegen: "Die Steuern darauf sind höher als der Wert", schimpfte er.

Leuschel startet mit dem "Wallstreet Journal", der "Trib", dem "Handelsblatt" und der "FAZ" in den Tag. Zu Terminen fährt er mit der Bahn. Seine Spitzenhonorare machen ihn nicht eitel. Leuschels antizyklisches Investment ist sein Weinkeller. Die 1500 Flaschen bester Rotwein bescherte ihm 1974 der Ölschock. Der Wein, den sich die Japaner nicht mehr leisten konnten, wurde nach Antwerpen zurückgeschickt. Er ersteigerte die Flaschen zu je 4 Mark. Kurs heute: 1500 Mark die Flasche. Zu einem Weinkeller rät er auch humorvoll seinen Klienten bei einem Crash. Dazu ein Gewehr und einen Schäferhund.

Sein immer gültiges Erfolgsrezept für eine gute Finanzkarriere lautet: Immer die eigene Meinung bilden, absolut unabhängig bleiben und die Meinung durchhalten.

In "Börse Online" riet der Crashprophet Anfang Juli 99: Der Investor hat jeden Grund sein Wertpapiervermögen zu streuen, derzeit Aktien eher unter- und Liquidität überzugewichten. Damit wird er vielleicht nicht zu den Gewinnern gehören, aber auf keinen Fall zu den Verlierern".

Buchtip:
"Sonntags nie, am liebsten im Oktober. Strategien zum Börsenerfolg" (Roland Leuschel; Börsenbuch-Verlag, 188 Seiten)
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