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André Kostolany (1906 - 1999)

Amerikanisch- ungarischer Finanzfachmann, Spekulant und Journalist

Kostolany war und ist ein Markenname der Börse. Eigentlich wollte der geborene Ungar Kunstkritiker werden. Aber als er merkte, wie leicht er mit Aktien Geld verdienen konnte, unterlag er der Faszination der Börse und riß Generationen mit in diesen Strudel. 1,5 Millionen Menschen haben seine polemisch-bissigen Bücher gelesen. Tausende ließen sich ein Kostolany-Börsenwochenende 2000 DM kosten - auf der Suche nach der Seele der Börse, nach Gewinn und Sicherheit. Mit Mitte 30 war er bereits Generaldirektor, Präsident und Hauptaktionär der G. Ballai and Cie Financing Company. In Frankreich wurde er für seine Leistungen mit dem Orden: "Ritter der französischen Ehrenlegion" ausgezeichnet. Mit seinem scharfen Verstand und seinen Erfahrungen aus den Weltkriegen und Wirtschaftskrisen (1929, 1987, 1992) schaffte er sich durch Spekulationen einen ansehnlichen Lebensstandard. Schon als er mit Riesenschritten auf die 100 zu ging, schrieb er immer noch für französische Zeitschriften, den NDR, "Capital" monatliche Börsenkolumnen.

Karriere:

Schon mit 12 Jahren begann seine Börsenkarriere in Wien nach der Flucht vor den Kommunisten aus Budapest, bei der die wohlhabende Familie alles zurücklassen mußte. Wenig später in Paris durfte er dem erfolgreichen Börsenmakler Adrien Perquel über die Schulter schauen. Und wieder mußte er flüchten, der durch die Börse superreiche junge Jude. Mit 200.000 Dollar (heutiger Wert etwa vier Millionen Dollar) "im Strumpf" landete er in Amerika, von wo er schließlich Börsengeschichte schrieb.
1930 stürzte die Pariser Börse in die Tiefe, und Kostolany hatte auf der richtigen Seite investiert. Auf einen Schlag war er reich und hatte, wie so oft, entgegen der allgemeinen Meinung Recht behalten mit seiner Baissespekulation. Nur seine Kollegen und Freunde waren plötzlich arm. In der anschließenden Hausse verlor er sein Vermögen wieder. Aber "Kosto" war ein Dollar-Optimist mit dem zynisch-philisophischen Vorsatz: "Wer den Dollar nicht hat, wenn er fällt, hat ihn auch nicht, wenn er steigt."

Lebensstil:

Seine Heimat war Budapest - sein Zuhause Paris. Hier lebte er seit 1924 bis zu seinem Tod mit seiner französischen Frau. Nach Deutschland kam Kostolany, um Seminare zu geben. Großen Wert legte er auf Gesundheit und finanzielle Unabhängigkeit. "Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet allerdings nicht Multimillionär zu sein. Jemand mit geringen Lebensansprüchen kann auch schon mit einem sehr kleinen Vermögen finanziell unabhängig sein", sagte der große Meister einmal selbst. Geistige Gymnastik, wie seine Kolumnen, Interviews und Vorträge hielten den Börsen-Propheten fit für sein ruheloses hin- und herjetten zwischen Paris, New York und Deutschland. Gegen das Schwächerwerden der Augen und Ohren und die Gebrechlichkeit war er machtlos.

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